Die wichtigsten Zahlen
Stand: November 2026. Quellen siehe unten.
Die Gletscher: was ich vom Sessellift aus sehe
Laut Gletscherbericht des Alpenvereins sind 2024/25 im Schnitt 20,3 Meter Gletscherzunge verschwunden, 94 von 96 gemessenen Gletschern sind geschrumpft. Den größten Verlust hatte der Alpeiner Ferner im Stubaital mit −114,3 Metern, im Ötztal verloren Sexegertenferner und Seekarlesferner jeweils über 50 Meter. Die Gletscherfläche Österreichs ist in zehn Jahren von 328 auf rund 286 km² geschrumpft. Bis etwa 2050 dürfte es Gletscher nur noch in besonders geschützten Lagen geben.
Schnee: Österreich ist besser gerüstet als andere
Eine Studie in Nature Climate Change (2023) hat 2.234 europäische Skigebiete untersucht. Bei +2 °C Erwärmung hätten ohne Beschneiung 53 % ein sehr hohes Schneemangel-Risiko. Österreich steht mit Beschneiung vergleichsweise gut da: rund 3 % der Gebiete mit hohem Risiko bei +2 °C, 13 % bei +3 °C, 38 % bei +4 °C. Der Preis dafür sind mehr Wasser, mehr Strom und höhere Kosten – und tiefer gelegene Gebiete trifft es zuerst.
Der Sommer wächst – aber er ersetzt den Winter nicht
Der Sommer 2025 brachte in Österreich 74,1 Millionen Nächtigungen und liegt damit auf Winterniveau. Hitze im Süden treibt Gäste in die Berge: Ein durchschnittlicher Sommer ist heute rund drei Grad wärmer als vor 40 Jahren, unter 500 Metern gab es 2025 im Schnitt 24 Hitzetage (GeoSphere Austria). Berge und Seen gewinnen.
Trotzdem ist meine Meinung: Der Sommer rettet den Winter nicht. Man kann nicht das ganze Jahr wandern, und die Zwischensaisonen im April, Mai und November sind tot – das habe ich gerade erst in Innsbruck und Sölden gesehen.
Chile: Rekordschnee ist Wetter, kein Trend
Das chilenische Skigebiet Valle Nevado hatte 2026 eine Rekordsaison mit über sieben Metern Schnee und 154 Betriebstagen – nachdem im Juli zeitweise ein Großteil der Pisten in Chile wegen Trockenheit gesperrt war. Ursache war ein starkes El Niño. Zentralchile hatte davor über zehn Jahre eine Megadürre.
Für mich zeigt Chile zweierlei: Die Schwankungen werden größer – vom schlechten Start zur Rekordsaison. Und Gäste können Jahreszeiten tauschen. Dass Europäer massenhaft im Sommer nach Südamerika zum Skifahren fliegen, halte ich für unwahrscheinlich. Dass sie im Winter lieber nach Ägypten oder auf die Kanaren fliegen statt in die Alpen, ist dagegen echte Konkurrenz – vor allem bei Nicht-Skifahrern. Dann bleiben Betten leer, und auch Saisonkräfte und Personalwohnungen werden nicht mehr gebraucht.
Was das für Anleger heißt
- Rechnen Sie Tourismusimmobilien mit einem Szenario, in dem der Winter deutlich kürzer wird.
- Höhenlage und Beschneiung der Bergbahn sind wichtiger als die Aussicht vom Balkon.
- Schnelle Einbrüche kommen eher durch Schocks – Pandemie, Energiepreise, Rezession in Deutschland – als durch den Klimawandel allein.
- Ganzjahresorte mit Arbeitsplätzen unabhängig vom Tourismus sind robuster.
Meine ganze Einschätzung zu Tirol: Warum ich Tirol liebe – und dort trotzdem nicht investieren würde.
Häufige Fragen
Sind Skigebiete in Österreich schneesicher?
Österreich ist dank Beschneiung besser gerüstet als viele andere Länder. Laut Nature Climate Change (2023) hätten bei +2 °C rund 3 % der Gebiete ein hohes Risiko, bei +4 °C 38 %. Tiefe Lagen trifft es zuerst.
Wird der Sommertourismus den Winter ersetzen?
Der Sommer wächst und liegt bei den Nächtigungen bereits auf Winterniveau. Er ersetzt den Winter aber nicht, weil die Zwischensaisonen schwach bleiben.
Weiterlesen
Quellen
- science.ORF.at – Gletscherbericht 2024/25 des Alpenvereins (13.03.2026)
- François et al., Nature Climate Change – Climate change exacerbates snow-water-energy challenges for European ski tourism (28.08.2023)
- ORF – Wintersaison 2025/26 mit Rekord (29.05.2026)
- ORF – Sommersaison 2025 (29.10.2025)
- GeoSphere Austria – Sommerbilanz 2025 (01.09.2025)
- snowsportsnews.com – Valle Nevado Rekordsaison (31.10.2026)
- eldesconcierto.cl – El Niño und Megadürre (15.09.2026)
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