Die wichtigsten Zahlen
Stand: November 2026. Quellen siehe unten.
Der erste Schock: Ukraine-Krieg, Inflation, Zinswende
Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 stiegen die Energiepreise. Im Oktober 2022 lag die Inflation in Österreich laut Schnellschätzung bei rund 11 %, angetrieben vor allem von Haushaltsenergie und Treibstoffen (Statistik Austria, 2022). Die EZB reagierte: Der Einlagensatz stieg von −0,50 % im Juli 2022 auf 4,00 % im September 2023 (EZB).
Für den Immobilienmarkt war das ein doppelter Schlag. Kredite wurden teuer, und mit der KIM-Verordnung galten ab 2022 strengere Regeln für Eigenkapital, Schuldendienstquote und Laufzeit. Die monatlich neu vergebenen Wohnbaukredite fielen von rund 2,5 Mrd. € im 1. Halbjahr 2022 auf rund 850 Mio. € im 1. Halbjahr 2024 (OeNB, zitiert nach UniCredit Bank Austria, 2026). Die Preise gaben vom 3. Quartal 2022 bis Ende 2025 nominell um 3,3 % nach, real um 15,1 % (OeNB Report 2026/25).
Die KIM-Verordnung wurde nicht verlängert und lief mit 30. Juni 2025 aus (FMA, 2025). Schon 2025 erholte sich die Finanzierung: Im Schnitt wurden 1,4 Mrd. € pro Monat an neuen Wohnbaukrediten vergeben, rund 50 % mehr als 2024 (OeNB, April 2026).
Der zweite Schock: Der Krieg um den Iran
Am 28. Februar 2026 begannen die USA und Israel Angriffe auf den Iran. Der Iran schränkte daraufhin den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, durch die 2024 rund ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases lief (ABC News, Mai 2026). Eine im April vereinbarte Waffenruhe beruhigte die Lage nur teilweise; Angriffe auf Schiffe wurden noch im Oktober gemeldet. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg Ende März 2026 auf rund 118 US-Dollar je Barrel und lag im September erneut über 100 US-Dollar (Wikipedia-Chronik, Stand Oktober 2026).
Die Folgen sind in den Daten sichtbar. Die Inflation in Österreich lag im September 2026 bei 3,6 %, nach 3,2 % im August. Den Anstieg führt Statistik Austria zur Gänze auf Treibstoff- und Heizölpreise zurück. Im Oktober blieb die Rate laut Schnellschätzung bei 3,6 %, Energie war um 16,5 % teurer als ein Jahr davor (Statistik Austria, November 2026).
Die EZB hob die Leitzinsen im Juni und im September 2026 um je 0,25 Prozentpunkte an. Der Einlagensatz liegt seit 16. September bei 2,50 % und wurde am 29. Oktober bestätigt. Als Grund nennt die EZB ausdrücklich den Konflikt im Nahen Osten und den Energiepreisschock; sie erwartet für 2026 eine Inflation von 3,0 % im Euroraum (EZB, September 2026).
Wo der Markt im Herbst 2026 steht
- Preise: Der Häuserpreisindex lag im 2. Quartal 2026 um 5,1 % über dem Vorjahr und erreichte einen neuen Höchstwert (Statistik Austria, September 2026).
- Kredite: Im 1. Halbjahr 2026 wurden 9,48 Mrd. € an neuen Wohnkrediten vergeben, 19,8 % mehr als im Vorjahr. Im Juli lag das Volumen aber um 18,6 % unter dem Vorjahresmonat. Der Zinssatz für neue Wohnkredite stieg auf 3,54 % im Juni 2026 (OeNB-Daten, zitiert nach Hausbau Magazin, September 2026).
- Neubau: Die Fertigstellungen sanken von 2022 bis 2024 um 23,7 %, die Baubewilligungen von 2022 bis 2025 um rund 35 % (OeNB Report 2026/25). 2025 wurden 47.636 Wohnungen bewilligt, 3,7 % weniger als im Vorjahr (Statistik Austria, vorläufig).
Einordnung: Ein Teil des starken ersten Halbjahres war vorgezogen, weil die Gebührenbefreiung für Hauptwohnsitzkäufer mit 30. Juni 2026 endete. Der Rückgang im Juli passt dazu.
Meine Einschätzung: Anleger warten, der Markt wartet nicht
In meinen Gesprächen erlebe ich derzeit vor allem eines: Anleger halten sich zurück. Viele wollen abwarten, bis der Konflikt vorbei ist, die Inflation sinkt und die Zinsen wieder fallen. Das ist menschlich verständlich.
Ich halte es trotzdem für einen Denkfehler. Die Zahlen zeigen, dass sich der Markt bereits gedreht hat, während die Stimmung noch gedrückt ist. Gleichzeitig wird seit Jahren deutlich weniger gebaut. Wenn die Nachfrage auf ein knappes Angebot trifft, kann sich die Lage abrupt ändern. Wer wartet, bis die Erholung in der Zeitung steht, kauft in der Regel zu den Preisen, die dann schon eingepreist sind.
Erfahrene Anleger schauen deshalb nicht auf die Schlagzeile von heute, sondern auf das Potenzial: Lage, Mietnachfrage, Bauzustand, Kaufpreis im Verhältnis zum Ertrag. Wichtig ist mir aber auch: Niemand kann den Zeitpunkt exakt vorhersagen. Eine weitere Eskalation, höhere Zinsen oder strengere Kreditvergabe sind möglich. Planen Sie deshalb mit Reserven und einer Finanzierung, die auch bei höheren Zinsen tragbar ist.
Wo ich regional Chancen sehe, zeigt die Übersicht Bundesländer im Vergleich für Anleger. Weitere Kommentare finden Sie im Bereich Wirtschaft & Meinung.
Häufige Fragen
Steigen die Zinsen 2026 weiter?
Das kann niemand verlässlich sagen. Die EZB hat den Einlagensatz 2026 zweimal auf 2,50 % angehoben und am 29. Oktober 2026 unverändert gelassen. Die weitere Entwicklung hängt laut EZB stark von Energiepreisen und Inflation ab.
Gibt es die KIM-Verordnung noch?
Nein. Die KIM-Verordnung wurde nicht verlängert und ist mit 30. Juni 2025 ausgelaufen (FMA). Banken prüfen Kredite trotzdem weiterhin nach eigenen Vergaberichtlinien, Eigenkapital und Leistbarkeit bleiben daher wichtig. Details zur Finanzierung bitte im Einzelfall prüfen lassen.
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt für eine Anlageimmobilie?
Eine Garantie für den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Die Daten zeigen steigende Preise und sinkende Fertigstellungen, gleichzeitig höhere Inflation und Zinsen. Meine Meinung: Wer ein Objekt mit gutem Verhältnis von Preis und Ertrag findet und solide finanziert, muss nicht auf die Schlagzeilen warten.
Weiterlesen
Quellen
- Statistik Austria – VPI Schnellschätzung Oktober 2026 (04.11.2026) – statistik.at
- Statistik Austria – VPI Schnellschätzung September 2026 (02.10.2026) – statistik.at
- bankkonditionen.at – Inflation Oktober 2026 (Energiekomponente, Quelle Statistik Austria) (04.11.2026) – bankkonditionen.at
- ORF – Schnellschätzung: Inflation bei elf Prozent (Oktober 2022) (31.10.2022) – orf.at
- EZB – Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 2026 (10.09.2026) – ecb.europa.eu
- EZB – Leitzinsen (Historie) (2026) – ecb.europa.eu
- euribor-rates.info – EZB-Zinsentscheidungen 2025–2026 (29.10.2026) – euribor-rates.info
- FMA – Rundschreiben zur Nicht-Verlängerung der KIM-V (26.06.2025) – fma.gv.at
- OeNB – Bank Lending Survey April 2026 (OTS) (28.04.2026) – ots.at
- UniCredit Bank Austria – Analyse Immobilienpreise Mai 2026 (Mai 2026) – bankaustria.at
- Hausbau Magazin – Immobilienmarkt 1. Halbjahr 2026 (OeNB-Kreditdaten) (16.09.2026) – hausbaumagazin.at
- OeNB Report 2026/25 – Österreichs Wohnimmobilienmarkt 2000–2025 (24.09.2026) – oenb.at
- Statistik Austria – Häuserpreisindex Q2 2026 (23.09.2026) – statistik.at
- Statistik Austria – Wie wohnt Österreich? (Baubewilligungen 2025) (10.06.2026) – statistik.at
- ABC News / Good Morning America – The 4 phases of the Iran war (07.05.2026) – goodmorningamerica.com
- Wikipedia – 2026 Iran war fuel crisis (Chronik Ölpreis) (Oktober 2026) – en.wikipedia.org
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